Im Nakuru und Amboseli Nationalpark bekamen wir die Big Five zu sehen und so viel mehr. Hier ein paar Bilder. Ich habe natürlich noch ungefähr 500 mehr, aber Tierfotos könnt ihr euch auch Professionellere im Internet anschauen.

Alte Bekannte trifft man in der Ferne. Die Stoerche haben mittlerweile bestimmt schon ihren Flug nach Deutschland angetreten.

Schakale. Im Hintergrund Nakuru Town. Der Nationalpark und die Stadt bilden einen irgendwie unwirklichen Kontrast.
Aber wir haben nicht nur Tiere gesehen. Nach den Nationalparks ging es weiter nach Nairobi, Mombasa, Dar es Salaam, Sansibar, Moshi und Arusha:

Der Verkehr in Nairobi ist grausam. Da steht man schon einmal 2 Stunden in der Innenstadt im Feierabendverkehr. Ein Wagenzieher kommt bei dem Tempo gehend locker mit.

Mombasa ist ein Insel. Um als Fussgaenger an Land zu kommen, muss man diese Faehre nutzen. Das bild ist gegen 22 Uhr aufgenommen. Das Gedraenge ist immer gross. Die Menschen hunderte.

Regenzeit in Tansania. Ohne die Tiefen Graeben waere die Strasse schon laengst nicht mehr passierbar

Sansibar: Die Fischer fischen am Vormittag, am Nachmittag bereiten sie den Fisch zu und am Abend kann man ihn an grossartigen Buffets (ungefaehr 20 Staende wie der auf dem Foto) kaufen. Die ausgewaehlten Fischspiesse, Hummer, Kochbananen, Kokusnussbrot etc. werden dann zum Grill getragen und frisch zubereiten.

Das Bad: sehr Platz sparend, die Dusche direkt über der Toilette und man kann sich gerade einmal um sich selbst drehen. Aber es reicht.

Die Küche. Mit 2 Leuten ist sie voll und trotzdem lässt es sich genauso bequem kochen, wie in den meisten doppelt so großen Küchen.
Wenn wir zuhause sind, dauert es nicht lange bis unsere Nachbarskinder auch da sind. Mittlerweile beschäftigen sie sich ganz gut selbst. Eigentlich seitdem
ich ihnen Buntstifte gekauft habe.
Zwischenseminar
10. März 2010
In Arusha habe ich eine Nacht übernachtet und bin am nächsten Tag mit Jan, der seinen Freiwilligendienst als Lehrer in der Kleinstadt Mlalo leistet, durch sämtliche Hardware Stores gelaufen um Ersatzteile für Toiletten, Wasserhähne und Solarlampen zu suchen. Nach 5 Stunden hatten wir uns zwar ein paar Tshirts gekauft, aber nichts von unserer Einkaufsliste. Manchmal ist man überrascht. Arusha ist eine große Stadt, im Supermarkt gibt es fast alles, aber eine Toilettenspülung gibt es nur im Set und wenn einem nur ein Gummiband fehlt, muss man trotzdem alles neu kaufen. Ich glaube, Jan wird in Deutschland erstmal einen vergnügten Spaziergang durch einen Baumarkt machen.
Am Nachmittag sind wir dann nach Karatu gefahren, wo wir uns mit dem Rest der Solivolfreiwilligen getroffen haben. Leider war das Seminar zweigeteilt. Die eine Hälfte unserer Gruppe hatte ihr Seminar in Kampala, in Uganda. Trotzdem war das Wiedersehen war groß.
In den nächsten Tagen haben wir über interkulturelle Konflikte, das NGO-Wesen und viele Themen, die uns auf dem Herzen lagen, diskutiert. Natürlich wurde neben der offiziellen Aufarbeitung des Erlebten auch viel am Abend bei Bananenwein, Serengeti- oder Safari-Bier besprochen. Am Freitag haben wir noch einen kleinen Ausflug zu einer Biogasanlage unternommen und uns eine Kaffeerösterei, sowie die ländliche Gegend angeschaut. Als wir uns am Sonntag wieder alle trennten, lag eine interessante, emotional aufgeladene und viel zu kurze Woche hinter uns.
Kleine Anekdote aus dem rechtsfreien Raum
10. März 2010
Es ist der 28te Februar, um 10 Uhr. Ich sitze bereits seit 11 Stunden im Bus. In Kisumu bin ich losgefahren, über Nairobi und erreiche nun endlich die tansanische Grenze. Gerade habe ich meine erste Passkontrolle überstanden. Das hat mich fast überrascht, mein Studentenvisum ist nämlich handschriftlich in meinen Pass eingetragen und den Stempel hätte man auch locker fälschen können. Aber die Polizei hat davon abgesehen Bestechungsgelder einzusammeln und mir geglaubt, dass ich eine Aufenthaltsberechtigung habe.
Vom letzten Mal Grenze überqueren habe ich nur noch im Kopf, dass es unübersichtlich und beängstigend war. Aber eine Tansanierin war an unserer Seite, die uns in unsere Einsatzstelle begleitet hatte.
Der Bus hält, der Busfahrer redet irgendetwas auf Swaheli und dann drängen alle nach draußen. Ich schaffe es gerade noch jemanden zu fragen, was der Mann denn gesagt hätte. Eine Dame übersetzt mir, wir sollen kein Geld tauschen zwischen den Grenzen. Wir beeilen uns also alle in die kenianische Grenzstation zu kommen. Dort müssen wir Ausreisekarten ausfüllen, die Karten sind alle, es wird Nachschub besorgt, wir bekommen einen Exit-Stempel und jetzt beginnt der schwierige Teil. Man läuft durch eine Schranke und verlässt Kenia. Die nächste Schranke, hinter der Tansania anfängt, ist ein paar hundert Meter entfernt. Man befindet sich also im rechtsfreien Raum. Kaum setzt man einen Fuß hinter die Schranke ist man von einer Traube Leute umgeben. Ich hatte meinen Pass noch in der Hand und plötzlich steckt mir jemand Geld hinein. Ich habe mich furchtbar erschrocken und war natürlich alarmiert durch die Warnung im Bus. Ich versuche das Geld seinem Besitzer zurück zu geben. Der erklärt mir, es sei tansanisches Geld, ich solle es nehmen und ihm dafür 50$ geben. Ich gehe davon aus, dass es Falschgeld ist und versuche immer noch es wieder loszuwerden. Mehrere Leute reden auf mich ein, dass man das Visum nicht mehr in Dollar, sondern nur noch in tansanischen Schilling bezahlen könne. Plötzlich werde ich unsicher. Kann das stimmen? Und ich stehe unter Zeitdruck, alles rennt zwischen den Grenzen hin und her und wenn mein Bus nicht auf mich wartet, ist ein Teil meines Gepäcks mit abgefahren. Mir kommt eine Idee. „Komm doch mit zur tansanischen Grenzstation und wenn die mir sagen, dass es wahr ist, was du sagst, tausche ich das Geld dort.“ Ein cleverer Schachzug, der Mann lehnt natürlich ab und jetzt passiert etwas seltsames, ich mache mich schon bereit mittels meiner Ellenbogen mir einen Tunnel durch die Menschen zu bahnen, als ich einen Kenianer aus meinem Bus Geld tauschen sehe. Also stimmt es doch, denke ich und tausche die 5000Tsh gegen 50$. Mit einem unguten Gefühl gehe ich meines Weges. Es kommt wieder jemand auf mich zu und will die 5000Tsh haben. Er sagt, ich hätte es getauscht, jetzt müsse ich noch für den Grenzübergang bezahlen. Diesmal lasse ich den Mann einfach stehen. Dass man zwischen den Grenzen nichts bezahlen muss, weiß ich. Ich stelle mich also beim tansanischen Schalter für mein Visum an, fülle die Einreisekarte aus und höre hinter mir einen Reiseleiter mit einen Touristen schimpfen: „Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen kein Geld tauschen. Für 50$ bekommt man doch viel mehr tansanisches Geld.“ Die Erkenntnis durchfährt mich wie ein Blitz: Für 50€ bekommt man 5000 kenianische Schilling. Das war meine Rechnung. Aber ich habe ja Dollar. Dafür würde man ja nur 3700 kenianische Shilling bekommen. Da hätte ich schon stutzig werden müssen und wenn ich wirklich mitgedacht hätte, wäre mir klar gewesen, dass man für einen kenianischen Schilling ungefähr 20 tansanische bekommt. Was wiederum heißt, dass ich für die 50$ 75000Tsh kriegen hätte kriegen müssen und nicht 5000. Ich unterdrücke meine Wut, freue mich, dass ich Notfallgeld mitgenommen hatte, zahle mein Visum, warte ewig auf eine Unterschrift vom Chef auf einem extra Formular für nicht Ostafrikaner, die in Tansania einreisen wollen, der ganze Bus wartet mit mir und dann sitze ich wieder in dem Bus und fahre Richtung Arusha. Geschafft, zwar nicht ohne Verluste, aber trotzdem, gar nicht soo schlecht fürs erste Mal alleine über die Grenze.
Auf der Fahrt muss ich sogar lachen: Erst tauschen sie 50$ gegen 5000Tsh, was ja schon mehr als ein gutes Geschäft ist. Aber dann behaupten sie auch noch, man müsse die 5000Tsh für den Grenzübergang bezahlen, womit man ihnen dann das ganze Geld geschenkt hätte. Ein zweiteiliges Manöver, einem die 50$, die man für das Visum bereit hält, abzunehmen. Nicht ganz blöd, muss ich zu geben.
South Nandi
10. März 2010
Ein Freund hat uns übers Wochenende zu seinen Eltern aufs Land eingeladen. Ohne Strom und Wasser, aber mit Generator für den Fernseher. Das verstehe, wer will.

Blechdächer sind besser angesehen, als traditionelle Strohdächer. Es regnet nicht rein. Dafür geht die Hitze nicht raus.
“We are the ones we were waiting for”
10. März 2010
Obama wird in Kenia gerne einmal zitiert. So auch auf dem leadership Seminar von Nature Kenya, an dem wir teilgenommen haben. Wir müssen etwas verändern, wir können nicht länger auf Hilfe von oben warten.
Inhaltlich wusste ich das meiste zwar schon, aber ich habe auch Neues gelernt und vor allem habe ich viel über die Teilnehmer gelernt. Das Training war für Community Based Organization-Mitglieder, die sich mit dem Schutz von Dunga und Yala Swamp beschäftigen. Einerseits war es interessant, wie sie ihren Lebensraum selbst empfinden, wir gut sie sich in Umweltdingen auskennen etc., andererseits blieben Späße, wie die Fragen, wie viel man meinem Vater zahlen müsste, um mich zu heiraten auch nicht aus. Es wurde dabei keinen Hehl daraus gemacht, dass es mehr um mein Geld, als um mich ging. Meine Versuche zu erklären, dass ich gar nicht viel Geld hätte, wurden mit einem „Jetzt noch nicht, aber später ja bestimmt“ beiseite gewischt. Und am letzten Tag wurde ich gefragt, ob ich denn an sie denken würde, wenn ich nach Hause fahre und ihnen Pakete schicken würden. Solche Begegnungen verwirren mich immer wieder etwas. Einerseits sind bin ich verblüfft von der Naivität, dass manche von ihnen sogar glauben, man bekomme Geld geschenkt, wenn man in Deutschland aus dem Flugzeug steige. Andererseits verstehe ich allmählich, dass Kindergeld und Arbeitslosengeld für Kenianer ungefähr genauso verrückt und jenseits jeder Realität sind. Und mir wird einmal mehr bewusst, wie willkürlich Überlebenschancen und Zukunftsaussichten auf die Weltbevölkerung verteilt sind.
Außerdem habe ich auf dem Seminar viel darüber gelernt wie Nature Kenya arbeitet. Kurz nach dem Seminar hatten wir dann einen workshop hier im WCK-Office, bei dem es darum ging einen Management Plan für Dunga Swamp zu erstellen. Eingeladen waren viele wichtige Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen. Nature Kenya hat das Geld diese Seminare und Meetings zu finanzieren von der EU. Und wenn Geld da ist, gehen die Dinge ausnahmsweise auch einmal schnell, so wurden gleich zwei weitere Meetings geplant, sowie der Auftrag erteilt eine Ressourcenkarte von Dunga Swamp zu erstellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich an dem Prozess weiter partizipieren könnte, weil ich das Gefühl habe, durch Nature Kenya wirklich viel über Umweltschutz und NGO-Arbeit lernen zu können.

Wenn die Referenten bemerken, dass der ein oder andere ins reich der Träume abdriftet, gibt es einen Energizer. Da hüpft man dann auch mal in einer Schlange durch den Saal. Ob das bei internationalen Konferenzen auch so gehandhabt wird? Ich kann es nur empfehlen...

Wir versuchen anhand von Beispielaufgaben heraus zu finden, wie ein Cash Book funktioniert. Dabei entstanden hitzige Diskussion, wie beim guten alten Matheunterricht.

Gruppenfoto Stakeholder meeting: eine Quotenfrau und ein Zufallmzungu. Wirkt so, stimmt aber nicht ganz. Serah ist Initiatorin des Ganzen. Es gibt Frauen in der Chefetage, aber wo bleiben die Nachfolgerinnen?
Nach dem Seminar haben wir noch bei dem Director von LVSB, der dort in der Gegend wohnt, gegessen. Das Huhn mussten wir selber schlachten. Ich habe mich im Wohnzimmer versteckt. Deshalb gibt es nur Fotos von Kochen.
Takawiri
11. Januar 2010
31.12.-3.1.
Am 27ten sind noch weitere Freunde von unserer Entsendeorganisation aus Tansania zu Besuch gekommen. Am 31ten sind wir dann mit 12 Leuten (10 davon Deutsche) nach Takawiri – eine Insel im Victoriasee – aufgebrochen. Die Eltern unseres Freundes Jag-Pal haben dort eine Ferienanlage mit Bandalas und großer Küche und Aufenthaltsraum mit Billardtisch und Bar. Ansonsten gehört zu dem Grundstück ein weißer Sandstrand mit Palmen. Man hätte denken können, wir seien am Meer. Leider waren der Anfahrts- und Abfahrtstag viel heißer als die etwas regnerischen Tage, die wir ganz auf der Insel verbracht haben. Aber es war trotzdem ein Traumurlaub. Lesen, Billard spielen, Tanzen (sogar Standard-Tanz haben wir versucht), kalte Drinks, großartiges Essen (jeden Tag frischen Fisch) und ein Haufen coole Leute.

Eine Vogelinsel: auf dem Foto Kormorane, aber auch Adler und viele andere Wasservögel waren massenhaft auf der Insel zu finden.

Den See und die abendlichen Lichtspiele werde ich echt vermissen. Denn selbst bei schlechtem Wetter und ausbleibendem Sonnenuntergang, wird man (wenn es nicht schüttet) mit Wolken- und Lichtschauspiel versöhnt.
Jetzt bin ich zurück in Kisumu, die Arbeit hat wieder begonnen, das Wetter ist unerwartet frisch (Januar gilt als der heißeste Monat, aber es regnet oft, die Leute vermuten El Nino) und ich freue mich, nach knapp drei Wochen neun verschiedene Besucher beherrbergen (am Wochenende kam dann noch Peter aus Kampala) über den Alltag und jetzt schon auf die nächsten Ferien.
Weihnachten – Give God a mighty handclap
11. Januar 2010
25.+26.12.
Evarastus und sein Freund Ken haben beschlossen uns Weihnachten herum zu führen und uns das kenianische Weihnachten zu zeigen. Morgens ging es in die Kirche. Ein riesiges Gebäude- wirkt völlig fehl am Platz. Und das Ganze wirkte für mich eher wie eine riesige Inszenierung mit Zuschauerbeteiligung, als wie ein Gottesdienst. Eine Sängerin aus Äthiopien, ein Masai und mehrere andere Gastsänger sind zur Feier des Tages aufgetreten. Ein Vater, eine Mutter, ein kleines Mädchen, ein kleiner Junge, sowie ein weiblicher und ein männlicher Teenager mussten erzählen was ihnen Weihnachten bedeutet. Dann haben wir immer mal wieder kräftig für Jesus und Gott geklatscht und dann mussten wir wie immer einmal aufstehen (alle Besucher müssen das in jeder Kirche und als Weißer kann man sich nicht drücken, jeder weiß DU bist neu) und uns bestaunen lassen, anschließend durften wir gesegnet unseres Weges gehen. Nach einem sehr ausführlichen Mittagessen, sind wir auf eine Art Festival gefahren. Das war interessant, unser erster richtiger Einblick in die Jugendszene. Auf der Bühne wurde gerapt und ich habe selten so viele aufgedonnerte junge Menschen auf einem Haufen gesehen. Vor allem haben sie mit ihrem Style 1 zu 1 die schwarze Jugendszene Amerikas kopiert (soweit ich das aus Filmen beurteilen kann).
Abends haben wir bei Evarastus und seiner Frau mit einigen Freunden der Familie gegessen. Das Essen war nett, aber hat sich nicht besonders von anderen Essen in größerem Kreise abgehoben. Alle sitzen auf dem Sofa im Halbkreis um den Fernseher rum und haben ihren Teller auf dem Schoß. Überraschenderweise haben wir drei dann noch ein Geschenk bekommen. Ich eine wirklich sehr schöne Handtasche und das, obwohl das Schenken ja gar nicht wirklich üblich ist. Eine sehr liebe Geste.
Am nächsten Tag sind wir dann ins ländliche Zuhause von Ken gefahren. Uyugis. Das war toll. Erst haben wir uns das Land angeschaut und sind durch Maisfelder gestapft. Dann haben wir Leute besucht. Kens Schwägerin war schon drauf und dran mich zu verheiraten, ich frage mich nur was Papa mit den Kühen will, die die Familie des Bräutigams für mich zahlen müsste?! Später war es ein großes Vergnügen unserem Chef und seinem Freund Mensch ärger dich nicht beizubringen und ein noch größeres Vergnügen, seiner Nichte dabei zuzuschauen, wie sie sich darüber amüsiert hat. Aber nicht etwa wie ein deutsches Kind amüsiert wäre, wenn ihr Onkel gerade ein Spiel lernt. Sondern schüchtern, in gebührlichen Abstand, natürlich jederzeit bereit aufzuspringen und irgendwas zu holen, was wir brauchen könnten, stand sie da und hat hinter vorgehaltener Hand gelacht, wenn wir einander beim Spielen rausgeschmissen haben. Nach mehrmaligen Aufforderungen konnten wir sie dazu bekommen, auch einmal mitzuspielen und siehe da, sie beherrschte das Spiel nur vom Zugucken perfekt. Johann meint bemerkt zu haben, wie begeistert sie jeder meiner Bewegungen gefolgt ist. Vermutlich ist ihr noch nie eine junge Frau untergekommen, die unter lauter Männern mit einer solchen Selbstverständlichkeit agiert. Alte Frauen dürfen natürlich zu ihren jüngeren Verwandten sprechen, wann sie möchten und diese auch herum schicken. Das ist die besondere Stellung der Mutter. Aber junge Frauen sind das letzte Glied in der Hierarchiekette. Solche Erlebnisse macht man in der Stadt nicht und ich muss sagen, es erfüllt mich ein bisschen mit Wehmut, dass ich die Kleine nicht öfter besuchen kann und ihr Spiele beibringen und vielleicht ganz nebenbei ein bisschen Selbstbewusstsein.
Eldoret & Kitale
11. Januar 2010
22.-24.12.
Vom 16ten an hatten wir Besuch. Lilia, die in Mombasa arbeitet, ist von Nairobi aus gleich mit nach Kisumu gekommen. Am 18ten sind Jan und Johann aus Tansania dazu gestoßen. Wir haben ihnen die Stadt und die Märkte gezeigt. Den Jungs aus Tansania sind beim Anblick unserer Supermärkte die Augen aus dem Kopf getreten. Beide leben auf dem Dorf und Tansania ist einfach insgesamt wirtschaftlich noch lange nicht so weit wie Kenia. Doppelstöckige Häuser hätten sie seit drei Monaten nicht mehr gesehen, haben sie uns völlig geschockt von den ersten Eindrücken einer kenianischen Großstadt berichtet. Dazu muss man sagen, dass Kisumu zwar die drittgrößte Stadt Kenias ist, aber trotzdem eigentlich eher mit einer deutschen Kleinstadt vergleichbar. Zwar größere Supermärkte, aber nur die Wohnhäuser in der Nähe der Villengegend sind mit dem Wohnstandart einer deutschen Stadt vergleichbar. Und nach drei Monaten hier kenne ich Kisumu besser, als nach 19 Jahren Berlin.
Auf jeden Fall standen erstmal Museumsbesuche und Hippotouren an und stundenlanges am See sitzen natürlich. Nachdem Jan wieder zurück gefahren ist, um mit einer tansanischen Familie Weihnachten zu feiern, sind wir nach Eldoret aufgebrochen, um die Ferien wenigstens ein bisschen zu nutzen um unsere Gegend, also Westkenia, kennen zu lernen. Eldoret hat mich verdutzt. Auch hier doppelstöckige Gebäude, sehr viele Straßenkinder und Dreck. Nach ein bisschen Rumlaufen, haben wir beschlossen, dass es außer Elend hier nicht viel zu sehen gibt und sind ins Kino gegangen. Das wiederum hat mir sehr gut gefallen. Eine Art Klassenraum mit gepolsterten Holzbänken. Ich glaube 30 cent Eintritt. Leider ist nach der Hälfte des Films der Strom ausgefallen. Trotzdem gut gelaunt, sind wir zurück ins Hotel und auf das Dach. Von dort aus haben wir dem regen Treiben auf dem Busbahnhof zugeschaut. Gegessen haben wir im Hotelrestaurant. Der zweite wirklich urige Ort an diesem Tag. Es hätte eigentlich auch eine billige amerikanische Kneipe sein können. Zumindest hing überall billiger blinkender Weihnachtsschmuck und duster war es. Aber irgendwie unglaublich herzlich. An die Wand war ein riesiges Bild von einem Berg und einem Bergsee gemalt. Schweiz vielleicht? Jedenfalls ein Ort, an dem die Besitzer dieses Hotels noch nie gewesen sind.
Am nächsten Tag sind wir dann zum Viewing Point gefahren und haben auf das Rift Valley hinab geblickt. Überrascht hat mich, wie grün der Grabenbruch ist. Zumindest der nördliche Teil.

Bitte achtet auf den grinsenden Maiskolben. Wir sind nach dem Essen in diesem Pub aus dem Grinsen auch nicht mehr raus gekommen. Herrlich.
Dann ging es weiter nach Kitale. Erster Eindruck – ähnlich wie Eldoret. Viele Menschen, Straßenkinder und Smog. Nach einem Spaziergang sind wir in Hotel zurück, um nicht nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße zu sein. Auch hier war das Hotel eine gute Wahl, zumal wir am nächsten Morgen um 6 Uhr beim Frühstück saßen und von dem Kellner mit seiner unglaublichen Weihnachtseuphorie angesteckt wurden. Und warum zur Hölle waren wir am 24.12. um 6 Uhr morgens, die einzigen Gäste, die ihr Frühstück zu sich genommen haben? Weil wir noch in den kleinsten Nationalpark Kenias wollten. Den Saiwa Swamp, um Wasserantilopen zu beobachten. Ich habe leider keine einzige gesehen. Wir sind also durch das Sumpfgebiet gestapft und haben vergeblich Tiere gesucht. Ein schöner Morgenspaziergang war es trotzdem und dadurch dass wir jetzt kenia residents sind auch nicht sehr teuer. Nach dem Mittagessen ging es zurück nach Kisumu. Lilia ist weiter nach Nakuru gefahren. Relativ spät am Abend sind wir angekommen, haben uns Pizza geholt und dann noch einen schönen Weihnachtsabend mit Paul zelebriert. Mit kleiner Bescherung. Geschenke sind hier an Weihnachten eigentlich nicht sehr üblich, aber interkultureller Austausch bedeutet ja nicht, dass man auf die eigenen Traditionen verzichtet. Und ich habe mich wohl gefühlt, bei Weihnachtsmusik, Kerzenlicht, Pizza und im Kreis von Freunden. Der Anruf von zu Hause hat natürlich auch nicht gefehlt.

















































